Assaf Kfoury: Whither Hezbollah

27 05 2010

This article was first published in the Weekly Worker (3 March 2010 )

Hezbollah is the guerilla force that stymied the Israeli military in southern Lebanon in the 1990’s. The Israeli occupiers and their proxies in the South Lebanon Army finally gave up and withdrew in May 2000. In a return confrontation in July-August 2006, Hezbollah again stood its ground, and the Israeli military was again stunned by a gritty enemy. This time round, it was the Bush administration’s open goading – recall Condoleezza Rice’s monstrous declarations (“the birth pangs of the new Middle East”) to justify the destruction and the killing[1] – which pressed Israel to pursue an increasingly futile and elusive finish.  In July-August 2006 just as in the 1990’s, Hezbollah did not cave in, remained defiant, wore down its more powerful opponent, and fought it to a draw.

There is much to respect and reflect on here. The business with Hezbollah is not police action against murderous criminal gangs – though this is how it often sounds in the western media – which are moreover said to be armed and abetted by one of America’s current bogeymen (Iran).  It is unfinished business with far-reaching consequences for the US, Israel, and western interests in the Middle East. Autocratic Arab regimes have fallen in line with the dictates of the American overlord, one after the other, or else faced outright destruction, as in Iraq. By contrast, Hezbollah has repeatedly played spoiler and provided inspiration to others to resist. It is the only organized Arab force that the mighty Israeli army has been unable to subdue and the only one whose declarations of steadfastness have matched its performance on the battlefield.[2] Largely thanks to Hezbollah, the plans for a “new Middle East”, at least as imagined by George W. Bush and Condoleezza Rice, have collapsed.

Not without inflicting great pain, however. The cost for the Lebanese that have sheltered Hezbollah has been very steep. The wholesale devastation wrought on Lebanon by Israel over the years has been all out of proportion with what Israel has suffered in return. In July-August 2006, for example, the ratio of Lebanese civilian fatalities to Israeli civilian fatalities was more than 25 to 1, while the ratio of combatant fatalities was about 1 to 1.[3]

Hezbollah’s resilience has come at an even heavier price for the Palestinians to the south. Israel has undertaken with a vengeance to make the Palestinians under its control pay for its setbacks to the north. In recent years, commentators in the West have taken to chiding Israel’s “disproportionate” response to Palestinian acts of resistance – as if there would be nothing to denounce about Israel’s relentless decades-long dispossession of the Palestinians, had its response been “proportionate”. Such was the liberal verdict, for example, on Israel’s destruction of Gaza in January 2009. By Israeli generals’ own admission, this “disproportionate” response was deliberately designed to preempt any Palestinian urge to duplicate Hezbollah’s experience.[4]

But Hezbollah is not just an effective guerilla force resolutely opposed to US-led western domination. It is also a political party, though one that is not neatly defined by traditional categories of the left (or the right).  Since its shadowy beginnings shortly after Israel’s 1982 invasion of Lebanon, Hezbollah has transformed itself from a small underground militia into a large party deeply entrenched in Lebanese politics.[5] Along the way, it has battled other parties to impose itself as the dominant powerbroker inside the Lebanese Shia community and then, without shedding its exclusive Shia identity, in Lebanon as a whole.  It has shrewdly used the prestige and notoriety that have come its way to further its own communal agenda. It has often formed contradictory or unlikely alliances with political players to its right – out of expediency or Islamist affinity, sacrificing support from potential allies to its left – both inside Lebanon and in the region at large.

CLICK HERE TO READ THE REST OF THE ARTICLE





Über die israelische Apartheid, Matzpen und die Widersprüche des Linkszionismus – Das Flying Carpet Institute im Gespräch mit der israelischen Sozialistin Tikva Honig-Parnass

17 05 2010

Die israelische Aktivistin Tikva Honig-Parnass kämpfte 1948 als überzeugte Zionistin. Später wurde sie Antizionistin und Mitglied der marxistischen Gruppe Matzpen.

Matzpen war in den 60ern und 70ern in Israel aktiv. Die Gruppe sprach sich für eine regionale Lösung des Konfliktes aus, die eine demokratische und sozialistische Vereinigung des arabischen Ostens, sowie eine gegenseitige Anerkennung der individuellen und nationalen kollektiven Rechten von israelischen Juden und Jüdinnen einerseits und palästinensischen AraberInnen andererseits beinhalten würde. Matzpen existiert heute nur noch als loses Netzwerk von Individuen innerhalb und außerhalb Israels. Dessen Theorie und Analyse ist unter einer gleichnamigen Webseite zu finden.

Die in den USA promovierte Soziologin war in diversen Bewegungen gegen die Besatzung, sowie in feministischen und Mizrahim-Bewegungen aktiv. Für 11 Jahre war sie Herausgeberin der Zeitschrift Between The Lines – in den letzten 2 Jahren zusammen mit dem palästinensischen Aktivist Toufic Haddad – und später verfassten beide ein Buch mit dem Titel “Between the Lines – Readings on Israel, the Palestinians and the U.S. War On Terror”. Sie arbeitet zurzeit an einem neuen Buch über die zionistische Linke.

Das Flying Carpet Institute traf Tikva in ihrer Jerusalemer Wohnung und führte mit ihr das folgende Gespräch:

Sie begannen Ihre politische Laufbahn als überzeugte Zionistin und kämpften auch im 1948er Krieg. Könnten Sie uns die Faktoren beschreiben, die Sie dazu bewegten, mit der Ideologie des Zionismus zu brechen?

Um die Gründe und die Art meines Bruches mit dem Zionismus zu verstehen, muß ich betonen, daß ich zum Antizionismus vom Lager der zionistischen Linken übergelaufen bin, sogar der zionistischen extremen Linken  – die „marxistische“ Mapam-Partei (ein Akronym für die Vereinigte Arbeiterpartei) – die „Zionismus, Sozialismus und die Völkerfreundschaft“ als ihr Motto hatte, ohne bei dieser Parole den Widerspruch in sich selbst zu erkennen.

Ich war nicht nur Mitglied der Mapam, sondern auch die Sekretärin der Partei in der Knesset zwischen 1952 und 1954, und stimmte komplett überein mit deren heuchlerischer Haltung, die sich reflektierte einerseits in ihrer Forderung nach Sozialismus und andererseits in ihrer Teilnahme am großen Diebstahl des Landes der PalästinenserInnen, die innerhalb der Grenzen Israels nach 1948 blieben – während sie bis 1966 unter einem Militärregime leben mussten.

Es wird oft behauptet, dass Israel als ein sozialistisch-inspirierter Staat gegründet wurde, da Mapai, das israelische Gegenstück zur SPD oder zur britischen Labour, beim Aufbau der staatlichen Institutionen eine zentrale Rolle spielte. Wie war das innerhalb eines kapitalistischen Rahmens überhaupt möglich?

Die von der Mapai angeführte zionistische Arbeiterbewegung führte das zionistische Kolonialprojekt in Palästina vor 1948 an. Ihre politische, wirtschaftliche und ideologische Hegemonie war das Produkt einer Art Arbeitsteilung zwischen ihr und dem embryonischen israelischen Bürgertum. Ich werde nicht auf die Gründe für diese Arbeitsteilung eingehen (die wurden von Prof. Zeev Sternhell in seinem Buch Nation Building or a New Society? The Zionist Labor Movement (1914-1940) systematisch erläutert). Es genügt zu sagen, daß das aufstrebende Bürgertum die politische Hegemonie der zionistischen Arbeiterbewegung übergab, die für den Erhalt der notwendigen „industriellen Ruhe“ verantwortlich war, während sie gleichzeitig die politische und wirtschaftliche Infrastruktur des zukünftigen Staates aufbaute.

Was ich hier betonen möchte, weil es Konsequenzen für die Gegenwart hat, ist die wichtige Rolle, die linkszionistische Intellektuelle, Akademiker und Publizisten bei der Artikulierung der Hauptschilderung des Zionismus und der Legitimierung des zionistischen Kolonialprojektes bis heute spielen. Während sie behaupten, die „wissenschaftliche“ oder die moralische Autorität zu besitzen,  haben sie die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen, die von allen israelischen Regierungen – „links“ und rechts – begangen wurden, gerechtfertigt. Die vor-staatliche zionistische Arbeiterbewegung hat die falsche Theorie des „konstruktiven Sozialismus“ konzipiert, die eine Art nationalistischen „Sozialismus“ darstellte: Sie propagierte die Zusammenarbeit von Arbeiterklasse und Bürgertum – die „produktiven Kräfte der Gesellschaft“ – die zu den „kollektiven“ Interessen von Staat und Gesellschaft beitragen. Diese Theorie und Ideologie etablierten sich nach 1948 leicht als das „staats-zentrierte“ Wertesystem, das im Herzen der Kultur der israelischen Gesellschaft bis heute zu finden ist. Womit wir hier zu tun haben ist eine Ideologie, die den Staat und dessen „Sicherheit“ als die wichtigsten Werte betrachtet, die über jegliche individuellen Interessen Vorrang genießen. Dies ist tief in der israelischen Kultur – einer, laut dem kritischen Soziologen Baruch Kimmerling, semifaschistische Kultur, – verwurzelt. Sie bewundert, was linkszionistische SozialwissenschaftlerInnen aus der Funktionalistischen-Sturkturalistischen Schule, in den ersten Jahrzehnten des Staates von S.N. Eisenstaedt angeführt, als die „kollektiven Ziele“ der Gesellschaft bezeichneten. Diese imaginären „kollektiven Ziele“ werden benutzt, um individuelle Rechte und Wünsche zu unterwerfen die, im krassen Gegensatz zu jeder liberal-demokratischen Tradition, als „egoistisch“ angesehen werden.

Aber die Alleinherrschaft des linken Zionismus endete vor Jahren. Gehört all dies jetzt nicht zur Vergangenheit?

Der Verlust der Alleinherrschaft der Arbeiterpartei und die Machtübernahme durch die rechte Likud-Partei führten nicht zum Ende der Hegemonie der von der zionistischen Linken konzipierten Ideologie und Schilderung. Es gab keinen Wandel bei der weithin akzeptierten Wahrnehmung von linkszionistischen AkademikerInnen, PublizistInnen und SchriftstellerInnen wie Amos Oz als die VertreterInnen vom Gewissen, Gerechtigkeit und Gleichheit. Die letzteren aber legitimierten weiter jede Gräueltat und jeden Krieg, den israelische Regierungen, ob „links“ oder rechts, gegen die PalästinenserInnen oder arabischen Nachbarländer führten. Gleichzeitig aber unterstützten sie die Friedenspläne die von linkszionistischen PolitikerInnen wie Rabin oder Peres initiiert wurden, deren Vision einer Zwei-Staaten-Lösung die Kontinuität der israelischen Herrschaft über ein fragmentiertes palästinensisches Bantustan sicherte.

Die Hegemonie der ideologischen und politischen Prinzipien der zionistischen Linken dauert bis heute an, weil diese die verschiedenen Eliten innerhalb Israels – die Staatsbürokratie, das Rechtssystem, sowie diverse nationale und öffentliche Einrichtungen – bildete. Diese Hegemonie reicht bis zu den Managern von Privatunternehmen und selbst in die kapitalistische Klasse. Hier erscheint so etwas wie ein Widerspruch: Die israelische kapitalistische bürgerliche Klasse unterstützte in den letzten Jahrzehnten die Arbeiterpartei-Regierungen, die widerum deren Interessen vertraten. Es war eine Arbeiterpartei-Regierung, die 1985 neoliberale Maßnahmen einführte, im Rahmen eines US-Plans für eine globalisierte Wirtschaft und eine militärische Herrschaft über den Nahen Osten. Und die israelische kapitalistische Klasse übernahm natürlich die US-israelische Pläne seit dem Oslo-Abkommen 1993, die als eine notwendige Voraussetzung für das Überleben imperialer Interessen in der Region verstanden wurden.

Es gab nie einen realen Bruch zwischen Links und Rechts über die zentralen Prämissen des Zionismus. Wie der Historiker Avi Shlaim betont, lag der einzige Unterschied zwischen Ben Gurion, dem Anführer der zionistischen Arbeiterbewegung, und Jabotinsky, dem Vorvater der rechten Herut und Likud, in der Sequenz der Stadien, die das Projekt eines exklusiv jüdischen Staates im gesamten Gebiet des historischen Palästina folgen sollte, um seine Ziele zu erreichen.

Diese ideologische Nähe erklärt das allmähliche Verschwinden der traditionellen sekundären Unterschiede, die zwischen Rechts und Links existierten. Kadima und Likud haben sowohl den „Pragmatismus“ der zionistischen Linke angenommen als auch ihren heuchlerischen Diskurs um den „Friedensprozess“. Angefangen mit Sharon, der die Wahlen 2001 gewann, haben die Rechte und das Zentrum prinzipiell das Konzept der „Teilung des Landes“ und der „Zwei-Staaten-Lösung“ – davor ausschließlich die Position der zionistischen Linken – adoptiert. Kein Wunder, dass die Arbeiterpartei Teil der heutigen Regierungskoalition sein kann, neben dem Rassisten Ivet Lieberman, dem Chef der „Israel Beitenu“ – der am weitesten rechten säkulären Partei – die den „Transfer“ d.h. die Vertreibung der palästinensischen Bürger Israels propagiert. Die breite Annahme von Arbeiterpartei-Positionen signalisiert aber eher einen Pyrrhussieg für die zionistische Linke; dank dieses Erfolges hat sie ihre Existenzberechtigung verloren und ist heute eine mehr oder weniger irrelevante politische Kraft geworden.

Was war der Einfluss des Linkszionismus auf Sie persönlich und wann fingen Sie an, an dieser Ideologie zu zweifeln?

Ich war tatsächlich das typische Beispiel der vor-48er Generation, nämlich jemand, die dem dominanten linkszionistischen Diskurs blind folgte, unter anderem „unserem“ historischen Recht der „Rückkehr“ vom Exil ins ganze „Land Israel“, sowie dem Ziel, die Herrschaft in einem exklusiv jüdischen Staat zu erlangen. In meinen Jugendjahren las ich jedes marxistische Buch, das auf hebräisch geschrieben wurde und sah niemals einen Widerspruch zwischen dem, was in diesen Büchern stand und meinen eigenen zionistischen Ansichten. Für meine Generation waren die PalästinenserInnen einfach ein Ärgernis, das aus dem Weg geräumt werden musste, der zur Gründung eines jüdischen Staates führte. Diese Selbst-Entmenschlichung sowie die Entmenschlichung der PalästinenserInnen hat uns reif gemacht für die Akzeptanz der Massenvertreibung der PalästinenserInnen, die unter der Führung der zionistischen Arbeiterbewegung – Mapai, sowie Mapam – stattfand. Die Verherrlichung des Konzepts vom „jüdischen Staat“ ermöglichte die vorherrschende Indifferenz meiner Generation, während sie an der ethnischen Säuberung von 1948 ohne Zweifel oder Emotion teilnahm.

Um den Unterschied zwischen linkszionistischem, semifaschistischem Etatismus einerseits und echtem Liberalismus andererseits zu verstehen, werde ich Ihnen eine kurze Geschichte erzählen: Ich kämpfte in der Palmach-Einheit (die Eliteeinheit der Haganah, der zionistischen Miliz), die die Gegend um die palästinensischen Dörfer Saris, Beit Jibrin und Zakariya eroberte und deren EinwohnerInnen vertrieb. Ich habe einen Brief, den ich im Oktober 1948 an meine Eltern schrieb, auf dem Papier des palästinensischen Besitzers der Har Tuv Tankstelle, der einige Tage davor vertrieben wurde. Typischerweise gehe ich auf diese Tatsache gar nicht ein.

In meinem Brief schreibe ich über zwei jüdische freiwillige Kämpfer aus Amerika, liberale Zionisten, die nicht in der Ideologie der zionistischen Arbeiterbewegung sozialisiert wurden. Sie gehörten zu den vielen jüdisch-amerikanischen Veteranen des 2. Weltkrieges, die zur Unterstützung der Streitkräfte des Yishuvs (der jüdischen Gemeinde in Palästina vor 1948) nach Palästina kamen. Eines abends kamen sie von einem Einsatz zurück und schrien, daß sie auf dem Heimweg zum Stützpunkt hungernde palästinensische Frauen und Kinder sahen, die darum bettelten, zu ihren Dörfern zurück gehen zu dürfen. Sie sagten wütend, daß „wenn dieser neuer Staat nicht dazu fähig ist, sich um seine EinwohnerInnen zu kümmern, dann hat er kein Existenzrecht“. Und ich, eine Linkszionistin, die noch vorgab Marxistin und Internationalistin zu sein, schrieb: „Liebe Mutter und Vater, ich halte diese amerikanischen Philanthropen nicht aus“. Beachten Sie, daß ich den Ausdruck „Philanthropen“ statt „Humanisten“ verwende. Das ist nur ein Beispiel bezüglich des Unterschiedes zwischen Liberalismus, Universalismus und Internationalismus einerseits, und „linken“ zionistischen Werten andererseits.

Nach dem Krieg ging ich zur Hebräischen Universität in Jerusalem zurück, um mein Studium fortzusetzen. Ich kann mich erinnern, daß eines Tages jemand ins Studentenwohnheim stürmte und verkündete, daß Mao Tse-Tung die Volksrepublik China ausgerufen hatte. Wir waren sehr glücklich und klatschten, während gleichzeitig den PalästinenserInnen, die nach dem 48-Krieg innerhalb der Grenzen Israels zurückgeblieben waren und deren Land und Eigentum massiv beschlagnahmt wurde, ein Militärregime aufgezwungen wurde. Gleichzeitig wurden Vertriebene, die versuchten, über die Grenze zu ihren Häusern zu gelangen, von israeilische Sicherheitskräftern erschossen.

Meine stalinistische Haltung zu den Themen Israel und Naher Osten wurde sogar stärker, als ich meine Stelle als Sekretärin der Mapam in der Knesset aufgab und mich der Kommunistischen Partei Israels annäherte. Dementsprechend, rechtfertigte ich weiter den UNO-Teilungsplan und die Gründung Israels, die von der Sowjetunion unterstützt wurde und deren Satellit, die Kommunistische Partei, die Unabhängigkeitserklärung unterschrieb.

Einige Jahre später, 1961, kam das Buch „Frieden, Frieden und kein Frieden“ von Akiva Orr und Moshe Machover, heraus. Ohne Zugang zu offiziellen Akten, die mehr als zwei Jahrzehnte später veröffentlicht wurden, und nur aufgrund von Informationen aus Zeitungen und Zeitschriften schafften sie es zu beweisen, daß Israel kein Interesse an der Friedensbereitschaft der arabischen Staaten hatte und systematisch deren Friedensvorschläge ignorierte. Das war für mich ein enormer Schock, denn die Idee, daß der Staat Israel sich weigert Frieden zu schließen war undenkbar, besonders wenn die herrschende Propaganda die arabischen Staaten so darstellte, als wollten diese den Staat Israel zerstören.

Trotzdem brachte mich das Buch dazu, den irreführenden Diskurs des Establishments abzulehnen. Dies war der erste Zweifel den ich hatte, der meinen Glauben an ein friedliebendes Israel erschütterte und mich dazu brachte, die politische Position von Matzpen von ganzem Herzen zu akzeptieren, als diese 1962 von einer Gruppe von etwa 15 Personen, angeführt von 4 Initiatoren, darunter Moshe Machover und Akiva Orr, gegründet wurde.

Das Treffen mit Matzpen war für mich eine Art Offenbarung. Es löschte die ganzen irreführenden Ansichten aus, die Teil meines Selbsts und meiner Identität waren. Ich erfuhr, daß Israel ein kolonialer Siedlerstaat war, ein Instrument für die Fortführung des zionistischen Kolonialprojektes, das – lange Zeit vor der Nakba 1948 – als Ziel die Vertreibung der indigenen EinwohnerInnen Palästinas hatte. Ich akzptierte die regionale Perspektive von Matzpen, die Israels Rolle als Durchsetzer imperialistischer Interessen im Nahen Osten betonte und eine Lösung des Konfliktes außerhalb des engen Rahmens von Palästina vorsah. Die Beziehung, die Matzpen zwischen Marxismus, Klassenanalyse, Antiimperialismus und Antizionismus aufzeigte, existierte niemals zuvor – oder seitdem – in der israelischen Linken. Trotz ihres Status als einizge nichtzionistische Partei hatte die Kommunistische Partei Israels es nicht geschafft, die Beziehung zwischen den ersten drei Elementen und dem letzten zu identifizieren. Sie hatte 1948 die Unabhängigkeitserkärung unterschrieben und sah Israels Allianz mit dem Imperialismus als das Resultat falscher außenpolitischer Entscheidungen und nicht als ein Grundmerkmal des Zionismus. Bis heute hat die KP Israels die Idee von Israel als „jüdischem Staat“ nicht angegriffen. Sie konzentriert sich auf den Kampf für gleiche individuelle und Bürgerrechte für seine palästinensischen EinwohnerInnen, anstatt für gleiche nationale kollektive Rechte, die der zionistische Staat weder geben will noch geben kann.

Erlangte Matzpen einen bestimmten Einfluss innerhalb Israels? Wie ist die heutige Lage vom jüdischen (bzw. nicht-palästinensischen) Antizionismus in Israel?

Matzpen war die erste Gruppe, die gegen den 67er Krieg protestierte und stand an vorderster Front der Bewegung gegen die Besatzung in den ersten Jahren nach diesem Krieg. Matzpen erfuhr dadurch die Unterstützung einer ansehnlichen Zahl junger Menschen. Ein Grund dafür war auch der Einfluß der 68er Studentenrevolte in Europa und der Bürgerrechtsbewegung in Amerika. Die Positionen Matzpens wurden als die Übersetzung dieser Revolten für die lokale Version von Unterdrückung, nämlich die der PalästinenserInnen. Trotzdem war die Annahme der vollständigen antizionistischen und klassenanalytischen Perspektive eher beschränkt.

Der einzige reale Einfluss von Matzpen war auf den militanten Aufstand der Schwarzen Panther der Mizrahim, der zwischen 1970 und 1972 stattfand. Diese waren Juden aus den arabischen Ländern, die nach Israel gebracht wurden, um das dringende Bedürfnis des neuen Staates, die „leeren“, von PalästinenserInnen gesäuberten, Gebiete zu besiedeln sowie die israelische Armee zu verstärken. Die Mizrahi EinwanderInnen wurden willkürlich in Orten ohne reale wirtschaftliche Planung oder produktive Beschäftigung angesiedelt und bewohnten somit die „Entwicklungsstädte“, die dann zu den am meisten vernachlässigten jüdischen Siedlungen im Land wurden. „Geräumte“ Gebiete in palästinensichen oder „gemischten“ Städten wurden mit Mizrahi Neuankömmlingen besiedelt und verwandelten sich somit auch schnell in Armutsenklaven.

Unter der ideologischen Führung von Matzpen begann eine Gruppe junger Mizrahim in Musrara, einer ehemaligen palästinensischen Nachbarschaft am Rande Jerusalems, ihre Wut gegen ihre systematische Diskriminierung seitens des zionistischen Establishments in Klassenbegriffen zu artikulieren. Matzpen hatte nicht nur ihre ideologische Perspektive geformt, sondern unterstützte diese Gruppe auch logistisch. Dies war tatsächlich eine Bewegung mit einem massiven Potential. Aber sie wurden von den Sicherheitsbehörden zerschlagen, die ihre AnführerInnen verhafteten und nach deren Freilassung weiter belästigten. Darüber hinaus wurde seitdem die antizionistische und antikapitalistische Botschaft der Schwarzen Panther von kulturalistisch-orientierten Mizrahi AktivistInnen und postzionistischen AkademikerInnen verzerrt.

Für moralisch-bewusste Intellektuelle seit Mitte der 90er war Matzpen ein Rollenbild. Seitdem würdigten viele der kritischen unter ihnen (postzionistische Soziologen wie Uri Ram und Yehuda Shehav) die Rolle Matzpens als die erste, die den Zionismus als eine kolonisatorische Bewegung darstellte. Sie haben aber die Analyse der zionistischen Kolonisation völlig isoliert von der antiimperialistischen und klassenanalytischen Perspektive von Matzpen betrieben und somit ist es ihnen nicht gelungen, eine Alternative zur zionistischen Ideologie und Praxis zu schaffen. Dementsprechend hat sich der volle Einfluss von Matzpen unter echten AntikolonialistInnen, SozialistInnen und DemokratInnen – innerhalb und außerhalb Israels – verwirklicht, die bereit sind, dessen Prinzipien für eine völlige Ablehnung Israels als zionistischen Staat anzuwenden.

AntizionistInnen werden von linkszionistischen Intellektuellen sowie von vielen Menschen in Israel as VerräterInnen angesehen, die die Existenz des Staats herausfordern. Der Diskurs um dieses „Existenzrecht“ verschwimmt und verwechselt die Idee der biologischen Existenz der jüdischen EinwohnerInnen dieses Staates mit der Idee seiner Existenz als „jüdischer Staat“.  Weiterhin ist die jüdische Identität Israels ein Synonym des Konzeptes seiner „Sicherheit“ geworden und vertieft somit die Verpflichtung der meisten progressiven Israelis zu seiner rassistischen Natur.

Man hört viel in Europa über den Postzionismus. Was sind, Ihrer Meinung nach, dessen Stärken und/oder Beschränkungen?

Man muss zwischen den Neuen HistorikerInnen und kritischen SoziologInnen einerseits und denjenigen, die ich als PostzionistInnen bezeichne andererseits unterscheiden. Die ersten haben einige Mythen des Zionismus bezüglich des 48er Krieges und der Nakba dekonstruiert ohne den Charakter Israels als ethnokratischen Siedlerstaat in Frage zu stellen (Ilan Pappe ist hier eine Ausnahme). Andererseits hatten die PostzionistInnen die Absicht, Israels angebliche strukturelle Ungleichheit, die sich in der Diskriminierung der PalästinenserInnen sowie anderer jüdischen „Minderheitsgruppen“ ausdrückt, zu offenbaren und zu herausfordern. Ihre theoretische Basis war jedoch die Postmoderne sowie ihre verwandte Bereiche – Multikulturalismus, Postkolonialismus und Identitätsdiskurse, die sie fälschlicherweise für ihre Analyse des zionistischen Staates benutzt haben. Ein Beispiel: Manche von ihnen setzen die Unterdrückung der PalästinenserInnen mit der der Mizrahim gleich, da sie beide als Symptome des Aschkenasi-(europäisch-jüdischen) zionistischen Staates betrachten. Dabei ignorieren sie aber das zentale Merkmal des Zionismus, das den vollen Ausschluss der PalästinenserInnen vom exklusivistischen jüdischen Staat vorsieht, während die klassenbezogene Unterdrückung der Mizrahim-Juden nicht diesem Charakter des Staates entspringt, dessen Hauptrennungslinie zwischen Juden und PalästinenserInnen verläuft. Leider hat der „Multikulturalismus“ der PostzionistInnen dazu geführt, daß viele von ihnen dem erstarkten palästinensischen und arabischen Nationalismus unter den palästinensischen BürgerInnen Israels den Rücken kehrten, auch dessen Forderungen, die weit entfernt sind, wenn nicht sogar widerspüchlich zu der von PostzionistInnen angestrebte Anerkennung deren „Minderheitsgruppen-Identität“.

PostzionistInnen haben sich nicht auf eine grundlegende Analyse Israels als kolonialen Siedlerstaat konzentriert. Sie waren niemals antikapitalistisch oder antiimperialistisch, da sie niemals den wirtschaftlichen Neoliberalismus oder Israels Rolle als Diener von US-Interessen in der Region in Frage stellten.

Erleben wir, Ihrer Meinung nach, ein Schwinden oder eine Radikalisierung zionistischer Ideologie?

Die zionistische Ideologie sowie deren Diskurs und Anwendung in Form von Politik und Gesetzen hat sich enorm radikalisiert. Wenn die falsche Selbst-Identität als friedliebender Staat täglich zusammenbricht, entsteht ein Bedürfnis, die Bindung der Menschen an den Zionismus zu verstärken. Ein Grundmerkmal dieser Stufe des Zionismus ist die volle Bestätigung von Matzpens These bezüglich des regionalen Charakters des Konfliktes. Das US-israelische Streben nach Hegemonie im Nahen Osten und der „Krieg gegen den Terror“, der darauf abzielt, „ungehorsame Staaten“ wie Iran und Syrien sowie islamische Widerstandsbewegungen wie die Hamas oder die Hisbollah zu unterwerfen, stehen im Zentrum des Diskurses und haben den direkten Konflikt mit den PalästinenserInnen aus den Schlagzeilen verdrängt. Die herrschende Klasse, mit weitgehender Unterstützung, auch von der zionistischen Linken, ist in einer entschlossenen Kampagne involviert, diesen Krieg als eine notwendige Voraussetzung für das Überleben Israels als zionistischer „jüdischer Staat“ zu präsentieren. Bezeichnend für das Bewußtsein der herrschenden Klasse über die Rolle, die der Zionismus spielt, um die Israelis für die Unterstützung seiner Kriegspolitik zu gewinnen, ist die Eröffnungsrede von Benjamin Netanyahu während der letzten jährlichen Herzliya Sicherheitskonferenz, die Israels politische, wirtschaftliche und militärische Eliten zusammenbringt. Netanyahus Rede konzentrierte sich auf das exklusive jüdische Anrecht auf das ganze Land Israel, also das historische Palästina, und das Bedürfnis, das zionistische Bewusstsein der BürgerInnen zu stärken.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Letztes Jahr war ich bei einer Feier in der Schule meines Enkelsohns im Norden von Tel Aviv, eine bekanntlich bürgerliche und säkuläre Gegend, wo die meisten EinwohnerInnen für „linke“ zionistische Parteien wie die Arbeiterpartei oder die Meretz stimmen. Es war eine Erinnerungsfeier für alle gefallenen Soldaten Israels, wo alle SchülerInnen, deren Eltern sowie die Familien der Gefallenen anwesend waren. Die Feier begann damit, daß ein Junge mit einer Kippa – in einer angeblich säkulären Schule – aus der Bibel vorlas, daß Gott zu Abraham sagte, „Sehe vom Ort wo du stehst, nach Norden und Süden und Osten und Westen, weil das ganze Land das du siehst ich dir und deinen Nachkommen für alle Ewigkeit geben werde“. Diese Szene zeigt die verstärkte Tendenz im Bildungsbereich, die Bindung an den Zionismus und die aggressive Kriegspolitik des Staates Israel zu festigen. Eine Erinnerungsfeier mit dem Versprechen von Gott an Abraham zu beginnen ist eine Botschaft an die Kinder, daß sie in zukünftigen unvermeidbaren Kriegen hart gegen die PalästinenserInnen und andere kämpfen müssen, weil dieses Land, das uns und nur uns angehört, in Gefahr ist.

Israel wird als „die einzige Demokratie im Nahen Osten“ bezeichnet, und die Bürgerrechte, die Israels palästinensische BürgerInnen genießen werden als Beweis dafür dargestellt. Wie sieht die Lage der PalästinenserInnen innerhalb Israels aus?

Das israelische Regime umfasst heute das ganze historische Palästina – vom Mittelmeer bis zum Jordan. Israel hat eine halbe Million seiner eigenen BürgerInnen dort angesiedelt; es hat seine Gesetze dort ausgestreckt und benutzt den Luftraum und die unterirdischen Wasserreserven dort täglich. Praktisch gesehen, hat Israel das Westjordanland  annektiert, ohne es offiziell zuzugeben. Viele unter den Linkszionisten halten an dem Irrglauben fest, daß das Westjordanland  (und der Gazastreifen) außerhalb des Staates Israels liegen und, daß die 67er Besatzung nur vorläufig ist und daß diese Gebiete irgendwann den zukünftigen palästinensischen Staat neben Israel bilden werden. Sie verbergen somit die Tatsache, daß diese Gebiete schon annektiert wurden und Teil eines Groß-Israel sind – eine Tatsache die das Bild von Israel als „einziger Demokratie im Nahen Osten“ weiter am Leben hält.

Der Zionismus hat seine Herrschaft über verschiedene Gebiete Palästinas in verschiedenen historischen Stufen errichtet. Daraus erklären sich die Unterschiede bezüglich Bürgerrechte und Status der palästinensischen EinwohnerInnen dieser Gebiete – von absolut keine Bürgerrechte in der West Bank und Gaza, bis zur formalen Staatsangehörigkeit, die den nach der Nakba verbliebenen PalästinenserInnen verliehen wurde – eine Voraussetzung für die Aufnahme Israels als UNO-Mitglied.

Deshalb muss der Diskurs um Israels Demokratie sowohl das offensichtliche Apartheid-Regime in den nach 1967 besetzten Gebieten beinhalten, das die Linke im Ausland bereit ist zuzugeben, asl auch die einigermaßen verdeckte Apartheid innerhalb der Grünen Linie (Israel vor 1967), die viele Linke sich weigern als solche darzustellen und immer noch als eine Demokratie betrachten.

Ist Apartheid nicht etwas übertrieben? Immerhin dürfen die PalästinenserInnen in Israel ihre VertreterInnen in die Knesset wählen…

Natürlich sollte die These Matzpens betont werden, die von Moshe Machover ausgearbeitet wurde, bezüglich eines wichtigen Unterschiedes zwischen der israelischen Version der Apartheid und der, die in Südafrika herrschte. Dementsprechend zielte der Zionismus, wie die nordamerikanische oder australische Version der Kolonialismus, auf die Eliminierung der indigenen Bevölkerung ab, anstatt auf deren Erhalt als eine leicht auszubeutende Arbeitsreserve. Anders als die Schwarzen in Südafrika wurden die PalästinenserInnen als entbehrlich betrachtet, was die Existenz vom Begriff der Massenvertreibung lange vor 1948 im zionistischen Diskurs erklärt. Diese „Lösung“ wird immer noch von israelischen politischen und intellektuellen Eliten vertreten, wie z.B. vom Historiker Benny Morris. Aber bis die richtigen Umstände herrschen, findet eine konsistente Politik der ethnischen Säuberung in Zeitlupe – physisch, politisch und gesellschaftlich – im gesamten Gebiet vom historischen Palästina statt, mit unterschiedlichen Methoden und auf verschiedenen Ebenen; durch die Trennung von PalästinenserInnen von ihren kultivierten Land, dem Verbot des Zugangs zu Grundresourcen des Lebenserhalts, ganz zu schweigen von den Zerstörungen und Massakern, die  in Jenin und Gaza stattfanden.

Die Merkmale der strukturellen Diskriminierung der palästinensischen BürgerInnen qualifiziert Israel als ein Apartheidregime ähnlich wie Südafrika, dennoch, wie eben erwähnt, absichtlich verdeckt. Anders als die südafrikanische Apartheid, die ihren Rassismus in allen Lebensbereichen offen zugab, ist das, was wir bisher in Israel sehen ist eine Art Rassismus, der rassistische Begriffe bezüglich der PalästinenserInnen vermeidet. Die rechtliche, politische und ideologische Infrastruktur dieser Form von Apartheid wurde schon während des ersten Jahrzehnts des Staates von zionistischen Arbeiterpartei-Regierungen, an denen auch die „marxistische“ Mapam-Partei beteiligt war, aufgebaut.

Wie Saree Makdisi in einem kürzlich erschienenen Artikel zeigt, hat jedes bedeutende südafrikanische Apartheidgesetz heute ein direktes Gegenstück in Israel. Zum Beispiel gab der Population Registration Act von 1950 jedem Südafrikaner eine rassische Identität, mit der der Zugang zu (oder die Verweigerung von) gewissen Rechte bestimmt wurde. Dies hat ein direktes Gegenstück im israelischen Gesetz, das jüdischen Israelis und PalästinenserInnen eine unterschiedliche ethnische Identität vorschreibt. Konkreter gesagt, gibt es nach israelischem Gesetz keine israelische Nationalität. Die einzige Nationalität die das Gesetz anerkennt ist die jüdische Nationalität, die alle Juden und Jüdinnen auf der Welt umfasst, für die Israel vorgibt deren Staat zu sein. Nicht-Juden und Nicht-Jüdinnen, obwohl diese BürgerInnen des Staates sein können, sind explizit nicht Mitglieder einer israelischen „Nation“.

Während jüdische BürgerInnen somit eine nationale Identität besitzen, verweigert das israelische Recht den palästinensischen BürgerInnen eine nationale Identität und reduziert diese auf den Status einer ethnischen Minderheit, die „israelischen AraberInnen“. Das ist an sich die Basis für dieses Diskriminierungsregime, bevor irgend etwas über Diskriminierung gesagt werden muss. In Israel werden viele Grundrechte – Zugang zu Land und Wohnung z.B. – von der nationalen Identität abhängig gemacht und nicht von der weniger wichtigen Kategorie der bloßen Staatsangehörigkeit.

Das System der Vorschriften, die den Zugang zu Land innerhalb Israels bestimmen erläutert eine breite Kategorie dieser Rechte. Sie bilden ein direktes Gegenstück zum südafrikanischen Group Areas Act von 1950, der verschiedene Gebiete Südafrikas der Nutzung durch verschiedene Rassengruppen zuordnete. Palästinensischen BürgerInnen ist es juristisch untersagt, in den offiziell-designierten „jüdischen Gemeinde-Siedlungen“ zu wohnen. Sie dürfen nicht auf staatlichem Land leben oder auf Land, das „nationalen Institutionen“ wie dem Jüdischen Nationalfonds gehört. Diese Institutionen beanspruchen offen, die „Verwalter des Landes Israel für seine BesitzerInnen, jüdische Menschen überall“ zu sein.

Auch der formalen Staatsangehörigkeit, die den PalästinenserInnen, die die Nakba 1948 überlebten, gewährt wurde, wird systematisch jede feste Garantie für politische und individuelle Rechte entzogen. Ein Beispiel: Politische Parteien und Individuen, wenn diese nicht Israel als jüdischen Staat anerkennen und sogar vom Recht Gebrauch machen, diesen mit demokratischen Mittlen herauszufordern, werden von der Schabak (dem Innensicherheitsdienst) als ein Sicherheitsrisiko für die Existenz Israels angesehen und riskieren somit, von der Teilnahme an den Wahlen für die Knesset ausgeschlossen zu werden. Das Recht auf Staatsangehörigkeit oder sogar auf einen Wohnsitz wird einem palästinensischen Ehepartner aus den 67er Gebieten oder anderen arabischen Staaten verweigert.

Der Nahostkonflikt ist ein hochkontroverses Thema für die deutsche Linke. Manche Linke kamen zu dem Schluß, daß angesichts des Heranwachsens islamistischer Bewegungen in der Region wie Hamas oder Hisbollah (und der darauf folgenden Schwächung der säkulären Nationalisten und der Linken), die Unterstützung des „Existenzrechtes Israels“ eine notwendige Position ist, um „reaktionäre“ oder „mittelalterliche antisemitische“ Tendenzen zu besiegen. Wie antworten Sie darauf?

Das „Existenzrecht Israels“ ist eine Parole, die nichts mit dem Zeil einer fortschrittlichen und säkularen Demokratie. Im Gegenteil: Genau dieser Diskurs hat als Vorwand für den „Krieg gegen den Terror“ gedient, den der US-Imperialismus im Irak und Afghanistan führt, sowie für die US-israelische Kriege im Libanon und den blutigen Angriff auf Gaza 2009. Deshalb sollten jene Linke, die glauben für das „Existenzrecht Israels“ zu kämpfen, realisieren, daß dies die Teilnahme am Krieg gegen den neuen Dämon, den der US-Imperialismus nach dem Fall der Sowjetunion geschaffen hat, bedeutet. Klarer ausgedrückt, sie benutzen „islamischen Fundamentalismus“ als Vorwand, um die Widerstandskräfte im Nahen Osten, ob religiös oder säkulär, zu zerschlagen – all dies im Namen von „sekulärer Demokratie“.

Das „Existenzrecht Israels“ ist das Recht des US-Imperialismus, seine politische, militärische und wirtschaftliche Hegemonie im Nahen Osten fortzusetzen. Man kann nicht trennen zwischen Israel als dem Instrument der weiteren Implementierung des zionistischen Kolonialprojektes und seines Apartheidregimes, und seiner Rolle als Verfechter von US-Interessen in der Region. Israel ist der solideste und  zuverlässigste Unterstützer der USA, der bewaffnete Wachhund der USA in der Region gegen jeden Staat und Bewegung, die imperialistische Interessen in der Region herausfordert. Als solches ist sein Krieg gegen die PalästinenserInnen teil der US-Strategie, um jeden Ruf nach echter nationale Unabhängigkeit in der Region zum Schweigen zu bringen.

Es ist sicherlich traurig, daß der antiimperialistische Kampf in der Region nicht von linken Kräften angeführt wird. Trotzdem muss die Linke erkennen, daß Hisbollah und Hamas bis jetzt die einzigen organisierten Kräfte sind, die gegen das zionistische Israel, die USA und die kollaborativen palästinensischen und arabischen Führungen kämpfen. Hisbollah spielt die glaubwürdigste Rolle für die nationale Unabhängigkeit des Libanons. Gäbe es nicht die Hisbollah, würde der Libanon heute von den faschistischen Falangisten regiert – tatsächlich „säkular“ – in Kollaboration mit den USA und Israel.

Die Hamas kam durch demokratischte Wahlen an die Macht. Der gemeinsame Krieg von USA, Israel und der Palästinensichen Autonomiebehörde gegen die Hamas ist in Wahrheit ein Krieg der ethnischen Säuberung gegen die gesamte Bevölkerung Gazas. Dies ist die Natur des Krieges, der angeblich und zynischerweise für das „Existenzrecht Israels“ geführt wird. Dafür ist die Position von einigen deutschen Linken, was islamistische Bewegungen wie Hamas und Hisbollah angeht, nichts anders als ein Unterstützungsruf für die US-israelische Versuche, die Fragmentierung der Menschen im Nahen Osten zu intensivieren. In diesem Fall der Versuch, die von der Hamas angestrebte Wiedervereinigung von West Bank und Gaza zu verhindern, und im Fall des Libanons der Versuch, die Hisbollah zu delegitimieren und ihre Integration im politischen System des Libanons zu verhindern. Das „Existenzrecht Israels“ ist eigentlich das Recht des zionistischen Apartheidstaates, sein Projekt der Ausgrenzung des palästinensischen Volkes fortzuführen und die arabische Nation im Dienst der westlichen Hegemonie in der Region zu unterwerfen.

Die neulich veröffentlichte Einblick des linkszionistischen Akademikers Zeev Sternhell über den angeblichen Anstieg von europäischen Antisemitismus widerspricht der dominanten Rhetorik über einen auf islamistische Bewegungen bezogenen „mittelalterlichen Antisemitismus“:

„Eine der Forschungseinrichtungen dokumentierte einen dramatischen Anstieg von Ereignissen, die als antisemitisch definiert wurden, während der Operation „Gegossenes Blei“ (in Gaza) Es ist zweifelhaft, daß die Motive aller oder wenigstens der meisten dieser Ereignisse antisemitisch sind. Einen Teil betreffend ist es wohl richtig zu sagen, daß wir Zeugen eskalierender israelfeindlicher Einstellungen sind. Der frühere Antisemitismus war nicht abhängig von objektiven Taten von Juden. Andererseits gibt es eine klare und konsistente Verbindung zwischen Feindseligkeit gegenüber Israel und seinen Taten. Es ist kein Zufall, daß Israelfeindlichkeit ein Phänomen ist, daß während der letzten Generation entstand: Es ist eine Reaktion auf die sich vertiefende Besatzung (der ´67 Gebiete). “





OPEN LETTER TO EGYPTIAN LABOR PROTESTERS from the Campaign for Peace and Democracy, New York City

3 05 2010

We publish the following letter from the website “Campaing for Peace and Democracy”  (http://www.cpdweb.org/Egyptian_workers.shtml):

OPEN LETTER TO EGYPTIAN LABOR PROTESTERS
from the Campaign for Peace and Democracy, New York City

We are writing to extend our heartfelt solidarity and support to you, Egyptian workers, who in recent months have been courageously demanding that your government address your desperate economic conditions. The American press has been shamefully muted about the grim economic and political realities of life for people in Egypt, a key strategic U.S. ally in the Middle East. But in an eye-opening article in The New York Times of April 28, 2010, “Labor Protests Test Egypt’s Government,” by Michael Slackman, the curtain was lifted, for a moment at least. The article says,

CAIRO — Day after day, hundreds of workers from all over Egypt have staged demonstrations and sit-ins outside Parliament, turning sidewalks in the heart of the capital into makeshift camps and confounding government efforts to bring an end to the protests.

Nearly every day since February, protesters have chanted demands outside Parliament during daylight and laid out bedrolls along the pavement at night. The government and its allies have been unable to silence the workers, who are angry about a range of issues, including low salaries.

Using an emergency law that allows arrest without charge and restricts the ability to organize, the Egyptian government and the ruling National Democratic Party have for decades blocked development of an effective opposition while monopolizing the levers of power. The open question — one that analysts say the government fears — is whether the workers will connect their economic woes with virtual one-party rule and organize into a political force.

This week, with blankets stacked neatly behind them, at least four different groups were banging pots, pans and empty bottles and chanting slogans. There were factory workers, government workers, employees of a telephone company and handicapped men and women. The group of handicapped people said they had been there for 47 days, demanding jobs and housing….

The government has tried to define workers’ complaints as pocketbook issues, analysts said, hoping that if specific demands are met, workers will disband without blaming those in charge and without adding political change to their list of priorities.

http://www.nytimes.com/2010/04/29/world/middleeast/29egypt.html?ref=global-home

Try as the Egyptian government might to define your complaints as simply narrow “pocketbook issues,” divorced from democratic rights to protest, assemble, and assert labor’s interests in the political arena, the distinction won’t hold. They are inextricably linked, and this is true today in Egypt, Iran, China, the Philippines and everywhere else. Egyptian workers must have the right to freely assemble, protest and strike, and to form independent trade unions and political parties.

As Americans, we repudiate the hypocritical policy of the United States, our own government, which turns a blind eye to human rights abuses on the part of its allies, such as Egypt, while decrying such transgressions by governments that defy U.S. power. The Campaign for Peace and Democracy firmly believes that a just and peaceful world must be based on respect for human rights.

We salute you in your brave struggle. We understand that the Mubarak government, which heads a de facto one-party state, is contemplating a crackdown on labor protesters. We will do all in our power to mobilize here in the United States and in countries around the world to prevent this from happening.

In peace and solidarity,
Joanne Landy and Thomas Harrison
Co-Directors, Campaign for Peace and Democracy
New York City
Web: www.cpdweb.org Email: cpd@igc.org